“Diese Menschen sind wir”
Tim Ellmer ist Geschäftsführer des Verbunds Sozialer Dienste (VSD) und hat einen simplen Rat für die Mitarbeitenden: „Einfach mal machen. Das, was notwendig ist. Und das, was die Kinder brauchen.“ Lena Kerlfeld, ebenfalls Geschäftsführerin, konkretisierte diese Haltung in ihrer Rede: „Kinder und Jugendliche brauchen heute keine perfekten Fachkräfte. Sie brauchen Menschen, die präsent sind. Menschen, die zuhören, Orientierung geben und Hoffnung vermitteln. Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam nach neuen Antworten zu suchen. Ich bin überzeugt: Genau diese Menschen sind wir.“ Und davon gibt es im VSD offenbar sehr viele, denn 299 Mitarbeitende waren beim diesjährigen Burgtag zu Gast.
Einmal im Jahr kommen die (sozialversicherungspflichtigen) Mitarbeitenden aus den unterschiedlichen Einrichtungen und Fachbereichen auf dem Gelände der Burg Wittlage zusammen. Einerseits, um sich über die neuesten Entwicklungen im Verbund zu informieren. Andererseits aber auch, um im Anschluss miteinander zu feiern.
Sicherheit und Orientierung, das waren zwei Begriffe, die immer wieder fallen sollten. „Wir leben und arbeiten in einer Zeit, die sich rasant verändert. Das BANI-Modell beschreibt unsere Welt als brüchig (Brittle), ängstlich (Anxious), nicht-linear (Non-linear) und unverständlich (Incomprehensible)“, erzählte Lena Kerlfeld. Menschen brauchen heute weniger perfekte Strukturen als verlässliche Beziehungen und die Fähigkeit, mit Unsicherheit umzugehen. Resilienz nehme an Bedeutung zu, auch weil Familien unter zunehmendem Druck stehen.
Die Frage sei also, wie wir dazu beitragen können, dass Kinder, Jugendliche und Familien in einer unsicheren Welt Halt finden? „Nicht alles können wir beeinflussen. Aber wir können entscheiden, wie wir handeln, wie wir führen und wie wir Menschen begegnen“, sagte die Geschäftsführerin.
Mit „Verantwortung übernehmen. Sinn stiften. Diversität leben“ griff sie in diesem Zusammenhang eines der sechs EVP-Statements (EVP = Employer Value Proposition/Arbeitgeberversprechen) auf: „Diese Werte sind mehr als Worte. Sie sind ein Auftrag. Wenn wir Verantwortung übernehmen, schaffen wir Verlässlichkeit. Wenn wir Sinn stiften, geben wir Orientierung. Wenn wir Diversität leben, schaffen wir Zugehörigkeit und Respekt.“

Pädagogik bedeute heute weniger, alle Antworten zu kennen. Pädagogik sei vielmehr eine emotionale Navigation, auch wenn die Richtung nicht immer eindeutig ist. Tim Ellmer ergänzte, dass es die Aufgabe sei, die Wirksamkeit der Arbeit zu erklären: „Wir geben euch den Rahmen, hoffentlich so wie ihr ihn braucht.“ Und Lena Kerlfeld appellierte: „Wir sind gefordert, alle zusammenzuhalten und für unsere Arbeit einzustehen.“
Wie vielseitig die Arbeit und die Aufgaben im VSD sind, zeigte sich im Anschluss. Das Team der Akademie Sonnenwinkel stellte sich vor und berichtete, dass jetzt die zweite Klasse mit 17 neuen Schülerinnen und Schüler gestartet sei. Acht waren es bei der ersten Klasse im August 2025.

Die Schule ist aber nicht die einzige Einrichtung, die seit dem Sommer 2025 hinzugekommen ist. Ellmer nannte die Wohngruppe in Mohrkirch (Schleswig-Holstein) zwar sein „persönliches Waterloo“, weil es drei Jahre gedauert hatte, bis die Betriebsgenehmigung endlich vorlag. Dennoch überwiegt die Freude, dass das 13000 Quadratmeter große Grundstück endlich mit Leben gefüllt wird.
Im Jahr 2026 musste sich der VSD aber auch bereits von Fachbereichen trennen. Seit dem Schuljahr 2026-27 bietet die Kinderhaus Wittlager Land gGmbH keinen Ganztag und keine Schulsozialarbeit mehr an der Grundschule Bad Essen an. Das Nessi-Projekt (Netzwerk Schule soziale Integration) hatte die Schule seit 2007 geprägt. Kennenlerntage, Sozialtrainings oder das Schülerparlament sind nur einige der Besonderheiten, die dadurch ermöglicht wurden. Die Verträge sind im Sommer 2026 ausgelaufen, da keine Einigung über einen neuen Vertrag mit der Gemeinde erzielt werden konnte. „Wir werden keine Verträge mehr mit nicht-tariflicher Zahlung abschließen. Deshalb haben wir nicht zueinander gefunden“, so Ellmer. Einige Mitarbeitende haben aber in anderen Bereichen des VSD eine neue Aufgabe gefunden.
Eine davon ist die ehemalige Fachbereichsleitung Ann-Kathrin Märtin. Sie verantwortet nun mit Anika Rolf den neuen Fachbereich Bildung. Neu ist ebenfalls die Stabstelle Kommunikation, die sich mit einem Video vorstellte.

In Ostercappeln hatte die Kinderhaus Wittlager Land gGmbH die Offene Kinder- und Jugendarbeit kommissarisch übernommen. Mascha Kraneburg berichtete von „vielen tollen Projekten“. Die Gemeinde Ostercappeln hat jetzt eine neue Mitarbeiterin eingestellt, und Mascha war zuversichtlich, dass es eine gute Kooperation geben werde.

Nach der Vorstellung der neuen Leitungen in Wohngruppen, Krippen und Kindergärten sowie im pädagogischen Leitungsteam, galt der Blick der Zukunft. Die Life4All gGmbH biete jetzt auch Eingliederungshilfe in Nordrhein-Westfalen an. In Wersche (Gemeinde Bissendorf) soll Ende des Jahres eine weitere Wohngruppe eröffnen. Und zur Dialog Angeln-Schwansen gGmbH in Schleswig-Holstein könnte bald neben dem SBW Eckernförde und der Wohngruppe Mohrkirch auch das „SBW Herrenstall“ gehören. Tim äußerte sich zuversichtlich, dass es in diesem Fall nicht so lange mit der Betriebsgenehmigung dauern werde wie bei der Wohngruppe Mohrkirch. Bisher habe es aber noch keine Reaktion auf das Angebot für das Gebäude gegeben. Ab dem Sommer 2027 nimmt die Akademie Sonnenwinkel auch Schülerinnen und Schüler ab 16 Jahren auf und ermöglicht als Fachschule für Sozialpädagogik auch die Erzieherausbildung. Die Hausmeister haben dank „Rekordumbauzeit“ eine Heimat in Heithöfen gefunden, und zum VSD zählt nun auch die GKF Karkassenhandelsgesellschaft. Dieter Klausmeier wechselt die Reifen der zahlreichen Dienstwagen.
Gesellschaftliche Entwicklungen werden weiterhin die Rahmenbedingungen in der Kinderbetreuung sowie in der Kinder- und Jugendhilfe. Während Eltern vor fünf Jahren noch um einen Krippenplatz bangen mussten, musste Charly’s Kinderparadies einrichtungsübergreifend drei Gruppen mangels Bedarf an Plätzen schließen. Und bei Dialog müsse jede Stunde der flankierenden Dienste wie zum Beispiel Coaching oder Ombudschaft dokumentiert und belegt sein. „Wir kämpfen für diese Qualitäts-Standards“, versprach Ellmer. Mit den Landratskandidaten Erik Frerker (LINKE), Alexander Bartz (SPD) und Thomas Spieker (CDU) sowie mit der amtierenden Landrätin Anna Kebschull (Parteilos, unterstützt von den Grünen) hat er über solche Herausforderungen zuletzt gesprochen.
Dabei ist der VSD aber nicht auf sich allein gestellt. Alle Tochtergesellschaften sind Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband. „Unser Spitzenverband ist einer der aktivsten Verbände, gerade im Hinblick auf sozialpolitischen Themen. Wir sind dort gut aufgehoben und erhalten Unterstützung in vielen Bereichen“, sagte Ellmer.
Der VSD ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen, was sich nicht nur anhand der Gästezahlen nachweisen lässt. Es sind auch immer mehr Jubilare, die im Rahmen des Burgtags geehrt werden. Gleich elf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben seit dem Burgtag 2025 ihre zehnjährige Unternehmenszugehörigkeit erreicht, Maria Höckmann 20 Jahre, und Heike Bonk sowie Michaela Walter sogar 25 Jahre.

Nach einer Pause war das Team Rückenwind für das weitere Programm zuständig. Die Leitungen der Arbeitsgruppen Employer Branding, On- und Offboarding sowie Feelgood berichteten von den erreichten Meilensteinen sowie von den weiteren Vorhaben bis zum Ende des Projekts im Sommer 2027. Am Tag zuvor hatten sich die Fachbereichsleitungen in Kleingruppen mit der Frage „Wie schaffe ich Sicherheit und Orientierung für die Mitarbeitenden?“ auseinandergesetzt, die Ergebnisse wurden nun allen Mitarbeitenden präsentiert.

Highlight war wieder einmal der Teamwettbewerb. Der Videobeitrag der Mädchen-Wohngruppe (I need a Hero) setzte sich gegen die Live-Performance des Teams Inklusion und gegen den Video-Beitrag des SBW Fachwerkhaus durch. Die Kolleginnen der Mädchen-Wohngruppe freuen sich über 800 Euro für einen Wellness-Tag.
Nach vier Stunden war der offizielle Teil beendet, nun war Zeit für die Feier. Auch hier war das Motto bis 4 Uhr in der Früh: Einfach mal machen.
