Die erste Klasse Sozialpädagogische Assistenz Plus (SPA+) wird seit August 2025 an der Akademie Sonnenwinkel unterrichtet. Dieses bundesweite Modellvorhaben richtet sich an Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, die bereits eine beliebige Ausbildung abgeschlossen haben. Die Schülerinnen und Schüler haben pro Woche zwei Tage Unterricht und sind dreimal bei einem Praxispartner im Einsatz.

Janine Mantei leitet die Wohngruppe Hunteburg. Sie berichtet in diesem Interview unter anderem, in welchen Bereichen die Schülerin eine Entlastung für das Team ist, wieso die Kombination aus Theorie und Praxis ein Vorteil im Alltag ist und wieso die enge Zusammenarbeit vom ersten Tag an ein großer Vorteil für Unternehmen ist.

Janine, seit wann ist die Schülerin bei euch im Einsatz und wie ist der Kontakt zustande gekommen?

Sie hat im August 2025 bei uns angefangen und war also eine der ersten Schülerinnen überhaupt, die sich für SPA Plus entschieden haben. Sie hatte eine Anzeige in der Zeitung gesehen und sich sofort für einen Schulplatz beworben. Wir hatten uns als möglichen Praxispartner angeboten.

Wie ist dein Eindruck nach dem ersten Halbjahr?

Am Anfang war ich selbst gespannt und habe mich gefragt, worin der Unterschied zur regulären Sozialenassistenz liegt. Wir waren gespannt und wollten auch gerne an diesem Modellvorhaben teilnehmen. Unsere Schülerin war von Beginn an offen und neugierig. Dadurch hat sie es uns leicht gemacht, sie in das Team zu integrieren. Außerdem ist sie sehr motiviert.

Welche Eigenschaften zeichnen eure Schülerin konkret aus?

Sie hat bereits eine Ausbildung gemacht und ist selbst Mutter. Dadurch bringt sie viel Lebenserfahrung mit. Unsere Schülerin hat eine gewisse Gelassenheit und ein gutes Verständnis für den Alltag in einer Wohngruppe. In der Jugendhilfe geht es ja nicht nur um die Betreuung der Kinder, sondern auch um einen strukturierten Alltag. Dadurch, dass sie Mutter ist, kennt sie das bereits. Ihre größte Stärke ist aber ihre Motivation. Sie will sich die Chance nicht nehmen lassen, in der Kinder- und Jugendhilfe Fuß zu fassen.

Gab es in der bisherigen Zusammenarbeit besondere Momente?

Besonders war die Selbstverständlichkeit, die sie von Beginn an ausgezeichnet hat. Sie hat direkt gezeigt, dass sie dazu gehört und bereit ist, mit anzupacken.

In welchen Bereichen ist die Schülerin denn eine Entlastung für euer Team?

Eigentlich in allen. Als Schülerin hat sie nicht so viele administrative Aufgaben. Dadurch hat sie mehr Zeit, um mit den Kindern einfach mal zu spielen. Dabei gelingt es ihr, eine gute Balance zwischen Nähe und Distanz zu finden.

Welche Aufgaben übernimmt sie generell im Alltag?

Sie begleitet Besuchskontakte, fährt die Kinder zu Arztterminen oder zum Reiten, sie erledigt den Einkauf und bereitet Snacks für zwischendurch vor. Darüber hinaus setzt sie im Rahmen ihrer Ausbildung besondere Angebote um. Vor Weihnachten hat sie zum Beispiel mit den Kindern Lebkuchenherzen gebacken und verziert.

Wie nehmen die Kinder sie wahr?

Die Kinder wissen, dass sie noch keine Fachkraft ist. Die Schülerin darf ja noch keine Nachtbereitschaft machen oder alleine im Dienst sein. Außerdem haben die Kinder mitbekommen, dass eine Lehrkraft zu Besuch war und ihr bei der Arbeit zugeschaut hat. Bei uns im Team werden aber alle Mitarbeitenden gleich behandelt, so dass es den Kindern gar nicht groß auffällt.

Wie gut gelingt die Verbindung zwischen Theorie und Praxis?

Es ist von Vorteil, dass sie jede Woche zwei Tage in der Schule und drei Tage bei uns ist. So bringt sie Rückfragen aus dem Unterricht mit in die Gruppe und kann in der Schule von ihren Erfahrungen berichten. Mir gefällt dieses Modell gut, weil wir die Schülerin durchgehend begleiten und direkt eine Verbindung zu ihr schaffen können.

Würdest du anderen Einrichtungen empfehlen, jemanden ins Team aufzunehmen, der den Abschluss SPA Plus anstrebt? Welche Vorteile hat dieser Weg?

Auf jeden Fall. Der Bezug zum Unternehmen vom ersten Tag an ist ein großer Faktor. Sie sind vollwertige Teammitglieder, und wir können sie nach ihrem Abschluss an uns binden. Die Schülerinnen und Schüler bringen durch ihre Vorausbildung einen anderen Input in die Arbeit. Als Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger haben sie andere Fähigkeiten als jemand, der vorher schon in dem Bereich der Kinder- und Jugendhilfe tätig war.