Im August ist das Modellvorhaben Sozialpädagogische Assistenz Plus (SPA+) an der Akademie Sonnenwinkel gestartet. Quereinsteiger*innen werden innerhalb eines Jahres für die Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe qualifiziert. Schulleiter Reinhard Meyer und die Assistentin Johanna Brinker blicken auf das erste Halbjahr zurück.

Wie fällt euer Fazit nach sechs Monaten aus?

Reinhard: Die Zeit war arbeitsintensiv. Wir sind quasi bei Null gestartet und mussten erst einmal Strukturen schaffen. Dass uns das gut gelungen ist, bekommen wir von den Schüler*innen zurückgemeldet. Sie sind sehr zufrieden mit dem ersten Halbjahr und auch mit ihrer Entscheidung für diesen Weg. Es ist eine tolle Klasse, die sehr motiviert ist und es uns Lehrkräften einfach macht. Sie tauschen sich untereinander aus, sie unterstützen sich, und sie haben bereits ein sehr hohes fachliches Niveau erreicht.

Johanna: Es waren spannende und interessante Monate. Die Zeit war arbeitsintensiv, wie Reinhard sagt, aber man bekommt auch viel von den Schüler*innen, den Lehrkräften und von den Bewerber*innen zurück. Ich freue mich, dass ich ihnen helfen kann, und es macht mich glücklich, wenn ich ihre Dankbarkeit dafür spüre.

Für einige lag der letzte Schultag schon einige Jahre zurück. Wie schwer fällt es manchen Schüler*innen, wieder die Schulbank zu drücken?

Reinhard: Manche waren in der Tat schon viele Jahre im Berufsleben. Sie mussten sich erst wieder daran gewöhnen, aber es hat gut geklappt. Niemand scheitert hier am Lernen lernen.

Johanna: Ich hatte kürzlich Kontakt zu einer Bewerberin, die Bedenken wegen des Englischunterrichts hatte. Aber die Lehrkräfte sehen ja, welche Vorbildung die Schüler*innen mitbringen und berücksichtigen dies auch im Unterricht.

Manche sind direkt von der Schule oder Universität zur Akademie gekommen, andere haben eine Ausbildung abgeschlossen und jahrelang einen Job ausgeübt. Wie gelingt es euch, alle Schüler*innen mitzunehmen?

Reinhard: Wir greifen ihre individuellen Erfahrungen auf und schauen, inwieweit sie diese Erfahrungen im Bereich der Sozialpädagogik einbringen können. Wer zum Beispiel in der Gastronomie oder im Einzelhandel mit unzufriedenen Kunden zu tun hatte, wird sich auch nicht so schnell von schimpfenden Kindern und Jugendlichen aus der Ruhe bringen lassen.

Ihr seid mit acht Schüler*innen gestartet. Welche Vorteile hat diese Klassengröße?

Reinhard: Wir können öfters Einzelgespräche führen, die Betreuung ist viel individueller als üblich. Die kleine Klassengröße erlaubt eine gewisse Nähe, da man jede Schülerin und jeden Schüler kennenlernt – so weit sie es zulassen.

In welcher Form erfolgt der Austausch mit den anderen Lehrkräften?

Reinhard: Alle sechs Wochen findet eine Dienstbesprechung mit allen Lehrkräften statt. Jeder Einzelne hat einen Anteil an der Schulentwicklung. Ich versuche die Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen, die noch nicht so viel Erfahrung haben. Sie unterstützen sich aber auch gegenseitig, und die Wege sind kurz, weil wir ein kleines Kollegium sind. An anderen öffentlichen Berufsbildenden Schulen mit vielen Lehrkräften wäre diese enge Zusammenarbeit schwierig. Ich bin zudem unglaublich froh, dass wir ein Kollegium mit solch einem hohen fachlichen Niveau haben.

Aber nicht nur die Lehrkräfte stehen im Austausch mit den Schüler*innen.

Reinhard: Genau. Mit Anika Rolf, Ann-Kathrin Märtin und Anna Brockmeyer haben wir drei Ansprechpartnerinnen für die Schüler*innen. Ihnen können sie sich anvertrauen, und mit ihnen können sie ihre Anliegen besprechen. Die drei Kolleginnen besuchen die Schüler*innen auch in ihren Einrichtungen und halten den Kontakt zu den Praxispartnern. Wir sind für ihre Unterstützung sehr dankbar.

Im ersten Halbjahr waren die Schultage Donnerstag und Freitag. Jetzt sind es Montag und Dienstag. Was ist der Hintergrund für diesen Wechsel?

Reinhard: Die Schüler*innen sollen das Arbeiten an allen Tagen in der Woche kennenlernen. Einige Kinder sind am Wochenende nicht in der Wohngruppe, dann geht es vielleicht ruhiger zu. Wenn sie dann am Sonntagabend zurückkehren, ist das Arbeiten an einem Montag oder an einem Dienstag ganz anders als an den anderen Wochentagen.

Wie fließen diese Erfahrungen aus der Praxis in den Unterricht ein?

Reinhard: Wir greifen die Arbeit in den Wohngruppen in erster Linie in dem Fach Sozialpädagogik auf. Die kleine Klassengröße gibt jeder Schülerin und jedem Schüler genügend Raum, ihre Erlebnisse und Situationen zu schildern. Sie haben oft ähnliche Situationen in den ersten Monaten erlebt und unterstützen sich deshalb gegenseitig.

Was hat euch am meisten überrascht oder was war euer schönstes Erlebnis?

Reinhard: Ganz klar das fachliche Niveau, das ist erstaunlich. Eine Sozialpädagogische Assistenzkraft soll eigentlich die Grundlagen kennenlernen: Wie baue ich eine Beziehung zu dem Kind auf? Wie gehe ich mit Kolleg*innen um? Unsere Schüler*innen sind schon wesentlich weiter.

Johanna: Unser Weihnachtsfrühstück mit den Schüler*innen war ein schönes Erlebnis. Es war interessant für mich, sie mal als Klassengemeinschaft kennenzulernen und zu sehen, wie sie miteinander agieren.