Minecraft zieht clevere Köpfe an
Freitags ist im Jugendtreff W3 in Bad Laer die Rede von Mobs und Redstone, vom Farmen und Craften. Kinder und Jugendliche tauchen von 16 bis 18 Uhr in die virtuelle Welt „NewNiceCity“ ein. Und mittendrin Jugendpfleger Norbert Schulte. Kurz: Es ist Minecraft-Treff!
Minecraft ist mit über 350 Millionen verkauften Exemplaren (Stand Ende 2025) das meistverkaufte Videospiel der Welt. Monatlich aktiv sind schätzungsweise weit über 100 bis über 200 Millionen Spieler. Freitags in Bad Laer treffen sich in der Regel zwischen 5 und 15 Spieler, um „NewNiceCity“ zu erweitern. „Das Spiel beginnt in einer Welt mit Bergen, Bäumen und viel Natur. Ich habe zum Start ein Gebäude angelegt sowie einen Reaktor, der uns mit Energie versorgt“, sagt Schulte.

„NewNiceCity“ ist der Nachfolger der „NiceCity“, die der Jugendpfleger mit der Community in Bohmte aufgebaut hatte. Dort war er zuvor tätig. Die Kinder und Jugendlichen im Bohmter Treff hatten ihn auf das Spiel aufmerksam gemacht. „Ich habe es angespielt und fand es zunächst langweilig. Aber dann habe ich mehr über die Möglichkeiten erfahren. Ich habe mich intensiver mit Minecraft und der Technik Redstone beschäftigt, und die Kinder haben irgendwann gemerkt, dass ich Ahnung habe“, erzählt Schulte. Er sei von ihnen gebeten worden, Erklärvideos zu einzelnen Elementen des Spiels aufzunehmen. Dann sollte er es ihnen vor Ort erklären. „So entstand die Idee eines Minecraft-Treffs.“
Er habe erkannt, dass der Reiz darin liege, sich selbst Ziele zu setzen. Ihm gefällt, dass man Leute kennenlernt und gemeinsam etwas erschafft: „Minecraft zieht kreative und clevere Köpfe an. Es sind Kinder und Jugendliche, die sich selbst Herausforderungen suchen und Dinge weiterentwickeln.“ Minecraft sei für ihn kein Spiel, sondern vielmehr eine „Ermöglichungsplattform“: „Du kannst zum Beispiel eine Abenteuer-Map für andere erstellen. Also eine Welt, in der die Spieler Schätze finden und dabei Monster besiegen müssen.“

Grundsätzlich geht es bei Minecraft darum, Rohstoffe abzubauen („mine“) und zu neuen Gegenständen zu verarbeiten („craft“), um Bauwerke zu errichten oder in verschiedenen Modi gegen Kreaturen zu bestehen. Man kann Materialien wie Sand, Holz und Gestein „farmen“ und daraus Werkzeuge bauen. „Für jeden Spielertyp ist eigentlich etwas dabei. Manche farmen einen Rohstoff für sich und andere und freuen sich, wenn sie ganz viel gesammelt haben. Andere laufen umher und entdecken die Welt. Andere bauen lieber, zum Beispiel Gewächshäuser und andere Bauwerke. Jeder kann niedrigschwellig mitmachen und seinen Teil beitragen“, sagt Norbert Schulte.

Die Kinder und Jugendlichen können auch zu Hause weiterspielen. „Unsere Welt liegt auf einem privaten Server, den ich überwache. Ich muss alle Mitspieler erst freischalten. Diejenigen, die extern mitspielen, kenne ich persönlich. Es ist eigentlich ausgeschlossen, dass ein Fremder hinzukommt und die Spieler belästigt“, betont der Jugendpfleger. Ein junger Erwachsener aus einem ehemaligen Jugendreff spielt ebenfalls noch aktiv mit – und sogar jemand aus Bayern hat den Weg in das Onlineangebot gefunden: „Er ist inzwischen 18 Jahre alt und ist im vergangenen Jahr mit Freunden durch Deutschland gefahren und hat einige Spieler besucht, die er durch Minecraft kennengelernt hat. Er hat auch mich besucht, das hat mich sehr gefreut.“
Vielleicht kommt er demnächst ja auch einmal zu dem Minecraft-Treff in Bad Laer.
