Christina Thomas ist eine der ersten SPA-Plus-Schülerinnen an der Akademie Sonnenwinkel. Die neue, vergütete Ausbildungsform bietet einen schnellen und praxisnahen Einstieg in die pädagogische Arbeit, speziell im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe. Das macht das Modellvorhaben besonders interessant für Menschen, die sich beruflich neu orientieren möchten. Im Gespräch erzählt Christina offen von ihren Erfahrungen in der Ausbildung, ihrem Weg in die Kinder- und Jugendhilfe und davon, wie sie Theorie, Praxis und Familienalltag miteinander verbindet.

Christina, wie bist du auf die Idee gekommen, in die Kinder- und Jugendhilfe zu wechseln?

Ich bin mit der Kinder- und Jugendhilfe in Kontakt gekommen, als ich bei einem anderen Arbeitgeber in der Schulbegleitung gearbeitet habe, und in den Ferien habe ich dann in Wohngruppen ausgeholfen.

Was hat dich an SPA+ besonders angesprochen?

Die kurze Ausbildungsdauer (18 Monate, Anm. d. Red) und vor allem, dass die Ausbildung vergütet ist, was mir sehr wichtig ist, weil ich einen kleinen Sohn habe und mein Leben finanziell absichern muss. Außerdem bietet SPA+ eine Zusatzqualifikation für die Kinder- und Jugendhilfe, die man in der normalen SPA-Ausbildung nicht hat. Gerade die Möglichkeit, trotz kurzer Ausbildungsdauer in die Kinder- und Jugendhilfe zu gehen, hat mich überzeugt.

Was gefällt dir an deiner Praxisstelle in der Tagesgruppe besonders?

Die vielfältigen Aufgaben. Wir haben zum Beispiel Fahrdienste, wir haben Aufgaben in der Küche, die zu erledigen sind, und wir sind natürlich auch nah an den Kindern. Es sind viele verschiedene Kinder und Charaktere, wodurch die Arbeit sehr abwechslungsreich wird.

Was hast du denn eigentlich davor gemacht?

Ich habe keine abgeschlossene Berufsausbildung. Das ist auch der Grund, weshalb ich jetzt mit 37 Jahren mir nochmal überlegt habe, etwas Neues zu beginnen, und da hilft mir auch die kurze Ausbildungsdauer, sodass ich gesagt habe: „Das könnte ich schaffen“.

Gab es schon im ersten Halbjahr Momente, in denen du gemerkt hast: „Ja, das ist das, was ich machen möchte“?

Ja, ganz häufig. Vor allem, wenn es mit einem Kind mal eine Krise gab und das Kind dann trotzdem zu mir kam und eine Umarmung eingefordert hat. Oder wenn man die Kinder zum Lachen und Strahlen bringt. Das ist schön, und egal wie stressig es manchmal ist, sind das eben die schönen Momente. Dann sag ich immer: „Ich weiß, wofür ich es tue, und es lohnt sich.“

Wie gefällt dir die Kombination aus Praxis und Theorie?

Diese Verknüpfung ist wunderbar, da man dann das theoretische Wissen in der Praxis direkt umsetzen kann. Aber es ist auch manchmal recht schwierig, weil wir dann Aufgaben bekommen, wie zum Beispiel einen Beobachtungsbogen zu erstellen. Und weil wir ja neu in der ganzen Materie sind, ist es manchmal schwierig, die Aufgabe fachlich korrekt umzusetzen.

Und was konntest du aus der Theorie schon im Alltag umsetzen?

Verschiedene Methoden, gerade wenn es um Problembewältigung ging, bei denen wir ausprobieren konnten, was für das individuelle Kind am hilfreichsten ist. Beobachtungsmethoden habe ich auch schon viele ausprobiert; ich hatte ja auch schon eine praktische Prüfung.

Warum würdest du anderen Quereinsteiger*innen empfehlen, SPA+ zu machen?

Weil man danach viele verschiedene Einsatzmöglichkeiten hat, sowohl eben in der Kita als auch in der Kinder- und Jugendhilfe. Die kurze Ausbildungsdauer ist einfach für viele von Vorteil, gerade für ältere Menschen, und natürlich auch, dass die Ausbildung vergütet ist.

Was würdest du jemandem sagen, der unsicher ist, ob er/sie den Schritt wagen soll?

Ich persönlich würde sagen: „Ja, mach das.“ Aber ich denke, dass man dann vielleicht erstmal mit einem Praktikum reinschnuppern sollte, um zu gucken, ob einem die Arbeit liegt und ob es das Richtige ist.

Welche Unterstützung hast du auf dem Weg bekommen und was hat dir besonders geholfen?

Ich bin ja alleinerziehend mit einem kleinen Kind, und anfangs hatte ich Schwierigkeiten, alles zu kombinieren und unter einen Hut zu bringen. Der VSD hat dann eine Lösung für mich gefunden, die mir sehr geholfen hat. Durch Anika Rolf bekam ich die Möglichkeit, zwei Wochen in die Tagesgruppe hineinzuschnuppern und habe gemerkt, dass es für mich viel besser umsetzbar ist. Und diese Verknüpfung, dass die Lehrkräfte und die Praxisanleitenden zusammenarbeiten, macht alles sehr transparent und für uns Schüler deutlich einfacher.

Welche Ziele hast du nach dem Abschluss?

Auf Dauer möchte ich definitiv wieder zurück in die Kinder- und Jugendhilfe, am besten auch in die stationäre. Ich bin mit einem lachenden Auge und mit einem weinenden Auge aus der Wohngruppe gegangen, aber ich denke, für die nächsten Jahre würde ich dann erstmal wieder als Schulbegleitung arbeiten, bis mein Sohn dann etwas älter ist und das alles besser kombinierbar ist.